Leerstand - „Entweder wir jammern oder wir handeln.“

Leerstand - „Entweder wir jammern oder wir handeln.“
Leerstand - „Entweder wir jammern oder wir handeln.“
Leerstand - „Entweder wir jammern oder wir handeln.“

Gemeinde-Allianz Hofheimer Land stellte ihre Aktivitäten gegen Leerstände vor

Leerstehende Gebäude sind überall in Thüringen zu finden. Eine im Jahr 2015 im Zuge des KOMET-Projektes durchgeführte Leerstandserfassung zeigt auf, dass sich im südlichen Ilm-Kreis rund sechs Prozent leerstehende Wohngebäude und rund zehn Prozent „Wohngebäude mit Leerstandsrisiko in naher Zukunft“ befinden. Der Bevölkerungsrückgang im Zuge des demographischen Wandels trifft den ländlichen Raum Thüringens in besonderem Maße, damit einher geht oftmals eine erhöhte Leerstandrate. Der wirtschaftliche Strukturwandel verstärkt die Problematik.

Auch der nördliche Teil des bayerischen Landkreises Haßberge wird zunehmend mit einem Einwohnerrückgang und einer Alterung der Bevölkerung im Zuge des demografischen Wandels konfrontiert. Um diese Herausforderungen gemeinsam zu meistern, gründeten sieben Kommunen (Stadt Hofheim, Aidhausen, Bundorf, Riedbach, Ermershausen, Burgpreppach, Maroldsweisach) im Jahre 2008 die Gemeinde-Allianz Hofheimer Land. Die im Zuge dessen verfolgte Förderung der Innenentwicklung zur Sicherung lebenswerter Orts- und Gemeindezentren zeigt deutliche Erfolge. In den letzten zehn Jahren konnten über 230 leerstehende Gebäude wieder mit Leben gefüllt und 32 gemeindliche Ortskernprojekte initiiert werden.

Vom erfolgreichen Vorgehen der Gemeinde-Allianz ließen sich auf einer Fachexkursion am 23. Februar 2018 im Zuge des KOMET-Projektes Mitglieder der LEADER-RAG Gotha – Ilm-Kreis – Erfurt e.V. überzeugen. Das KOMET-Projekt („Kooperativ Orte managen im Biosphärenreservat Thüringer Wald“) ist ein durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Verbundvorhaben vom Ilm-Kreis, der Bauhausuniversität Weimar sowie dem Biosphärenreservat Thüringer Wald. Die acht Gemeinden des Modellraumes wollen im Zuge dessen gemeinsam innovativ an den Herausforderungen des demografischen Wandels arbeiten. In einem Vortrag stellte der Hofheimer Bürgermeister Wolfgang Borst die Aktivitäten der Gemeinde-Allianz Hofheimer Land vor. Diese werden seit 2013 durch ein Allianzmanagement mit Sitz im interkommunalen Bürgerzentrum in der Stadt Hofheim gebündelt und koordiniert.

Entscheidend für den Erfolg, betonte Bundorfs Bürgermeister Hubert Endres, seien auch die Bewohner vor Ort. Bei der Leerstandsproblematik gäbe es nur zwei Optionen, sagte Endres, „Entweder wir jammern oder wir handeln“. Die Besichtigung eines ehemals leerstehenden Wohngebäudes, welches seit der Sanierung als Dorfgemeinschaftshaus im Ortsteil Stöckach fungiert, verdeutlichte, dass für die erfolgreiche Umsetzung der Gemeinschaftshäuser die Idee von der Dorfbevölkerung finanziell und ideell mitgetragen werden muss.
Die Gemeinde-Allianz verfolgt die Revitalisierung von Leerständen. Dabei spielen eine qualifizierte Bestandserfassung, die Ortskernüberplanung und die Vermarktung von Leerständen eine wesentliche Rolle. „Bauen und Renovieren im Ortskern muss günstiger sein als ein vergleichbares Objekt im Siedlungsgebiet“, dieser Aspekt ist laut dem Hofheimer Bürgermeister Wolfgang Borst für eine erfolgreiche Vermarktung grundlegend. Kaufinteressenten werden von Anbeginn durch die Hofheimer Allianz unterstützt. Beginnend bei einer Planungsberatung mit Kostenschätzung erfolgen eine finanzielle Unterstützung in Form eines kommunalen Förderprogramms und die Entsorgung des Bauschutts durch die Gemeinde. In der Auffassung, dass jeder Siedlungsneubau einen Leerstand im Altort verursacht, nahm die Gemeinde des Weiteren über 90 Bauplätze zurück.

Zudem sollen in der Gemeinde-Allianz Leerstände gar nicht erst entstehen. Um dies zu erreichen, wird eine Stärkung der Lebensqualität verfolgt. Radwege wurden gebaut, Bürgerbusse initiiert und der Breitbandausbau vorangetrieben. Die Teilnehmer der Fachexkursion konnten sich selbst ein Bild davon machen, wie die Schaffung innovativer Strukturen funktionieren kann. Der Umbau des alten Pfarrhauses zum Bürgerhaus (inkl. Arztpraxis und Versammlungsräume) in Mechenried stellt seit 2017 mit dem Verbindungstrakt zum Kindergartenneubau einen integrierten Standort dar. Der Zusammenschluss der unterschiedlichen Nutzungen innerhalb des Gebäudekomplexes führt zu Synergieeffekten. So können beispielsweise Betriebskostenersparnisse durch Zusammenlegung der Funktionsräume erzielt werden.

Mit der vorausschauenden Planung und dem Engagement der Bürgermeister und Dorfbewohner konnten in den letzten Jahren positive Wanderungssalden innerhalb der Hofheimer Allianz erreicht werden. Die Erkenntnisse der Fachexkursion werden auch die Vertreter der Thüringer Landgesellschaft mbH (ThLG), die mit dem LEADER-Regionalmanagement beauftragt sind, in ihre Arbeit in der LEADER-Region einfließen lassen. Zusätzlich können wertvolle Ergebnisse für die Ausarbeitung der Dorferneuerungspläne der KOMET-Region abgeleitet werden. Mit dem Flächenmanagementtool FLOO-Thüringen stellt die ThLG seit Februar 2018 zudem den Gemeinden und Städten in Thüringen ein Angebot zur Erfassung, Analyse und Aktivierung von Flächenpotenzialen zur Verfügung.